|
Auf der Suche nach einer passenden Partnerin für unseren Barney, wurden wir auf eine Wällerhündin, die von ihren ersten Besitzern zurück gegeben wurde, aufmerksam. Eigentlich sollte ein Briardmädchen bei
uns einziehen, aber letztendlich haben wir beratschlagt uns diese neue Hundemischung, von der wir noch nie etwas gehört hatten, anzuschauen. Eine Kreuzung zwischen einem Briard und einem Australien Shepered...
Da Barney
sich seine neue Weggefährtin selber aussuchen sollte, packten wir ihn in unser Auto und fuhren gemeinsam Richtung Nor- den. Nach einer sehr langen Fahrt endlich angekommen, waren wir drei mächtig gespannt auf diese Hündin.
Die Züchterin begleitete uns in ihren Garten. In einer Zwingeranlage saß ein Rudel aufgeregter Hunde, welche sich ihre Nasen am Zaun platt drückten. Aus ihrem vorletzten Wällerwurf war eine Hündin nicht vermittelt worden,
welche sich letztendlich sehr ängstlich und zurückhaltend entwickelte. Diese Hündin hätte rein optisch super zu Barney gepasst, aber sie war aus genannten Gründen nicht zu ver- mitteln. Ihre Schwester, von den Vorbesitzerin
wegen Erziehungsproblemen abgegeben, war eine bildhübsche, hellgraue Hündin, die im Prinzip optisch einem Briard sehr ähnelte. Sie war 1,5 Jahre alt, wurde Sally genannt, und schien recht zugänglich. Die Tochter der
Züchterin beschäftigte sich intensiv mit ihr, und bestätigte das Sally eine sehr gelehrige, liebevolle Hündin wäre. Nun lag es nicht an uns die Entscheidung zu treffen, denn in erster Linie sollte die Hundedame zu unserem
Dickie passen. Wir waren auf den ersten Kon- takt zwischen den beiden Hunden gespannt. Puh! Zum Glück waren sie sich auf Anhieb sympathisch, kein Gezicke sondern sofort Spielaufforderung! Happy und sichtlich erleichtert hatte
Barney ziemlich spontan beschlossen das Sally bei uns einziehen darf. Nach- dem der notwendige Papierkram erledigt und der Lieblingskuschelteddy eingepackt wurde, machten wir uns mit Neuzugang Sally auf die lange Heimreise.
Zuhause angekommen, alle vier ziemlich erschöpft von der Reise, war Barneys Interesse an Sally unverändert groß. Wir stellten fest, dass die Hundedame heiß wie eine Herdplatte war.
=O) Das hatte die Züchterin wohl übersehen, und wir machten uns vorher nicht wirklich Gedanken darüber. Gott sei Dank war Barney kastriert, somit war zumindest kleiner Fellnasennachwuchs ausgeschlossen.
Das
Zusammenleben von Barney und Sally entwickelte sich sehr harmonisch. Gott sei Dank, nachdem Tessa überhaupt nicht Partner- fähig war. Allerdings machten wir uns zu Beginn etwas Sorgen um die im Haus lebenden Katzen. Sally
verhielt sich ihnen gegenüber ziemlich aufdringlich, was sie aber weiter nicht zu stören schien. Wir Zweibeiner hatten arge Bedenken, die allerdings schnell verflogen. Es stellte sich heraus, dass Sally unseren Samtpfoten nicht
an die Wäsche wollte. Sie lebte lediglich ihren ausgeprägten Hütetrieb an ihnen aus!
;O) Mit dieser Feststellung gingen Bernd und ich die Sache nun etwas gelassener an. Wir hatten oft viel Freude bei diver- sen Beobachtungen, der für uns ungewöhnlich engen Katzen - Sallyhundbeziehung. Von diesem Zeitpunkt an wurden unsere Stuben- tiger von “ ihrem grauen Schatten ” auf Schritt und Tritt begleitet.
Es stellte sich heraus, dass Sally etwas “ anders ” als unsere bisherigen Hunde war. Bisher hatte ich bei der Erziehung unserer Briards noch keinerlei Unterstützung benötigt. Bei den Versuchen Sallys Verhalten in den
Griff zu bekommen stieß ich gänzlich an die Grenzen meiner Möglichkeiten. Ich suchte mir Rat bei einer bekannten Hundeexpertin. Sie war völlig begeistert von Sallys Gehorsam und ihrem guten Sozialverhalten gegenüber anderen
Hunden. Jedoch stellte sie bei Sally ein übersteigertes Revierverhalten fest. Sie gab mir Tips, wie ich damit umgehen könne, mit auf den Weg. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass Sally mit mir als Person Probleme hatte, die mir
aber die Expertin auch nicht näher erklären konnte. Einmal attackierte mich Sally in solch einer heftigen Art und Weise, dass wir kurz davor waren sie wieder abzugeben. Millimeter hatten gefehlt, und sie hätte mir ins Gesicht
gebissen... Durch diesen Vorfall war nun mein Ehrgeiz entfacht worden, das Verhalten von ihr zu verstehen und es in ungefährliche Bahnen zu lenken. Sally wohnte nun 1 Jahr bei uns, und ich wollte ihr eine letzte Chance geben,
damit sie hier bleiben durfte. Ich machte mich auf die Suche nach einer geeigneten Hundeschule, um mir Unterstützung zu holen. In Gießen wurde ich fündig, und von diesem Tag an begann meine Hundeplatzlaufbahn!
Im Mai
1999 legte Sally in dieser Hundeschule ihre Begleithundeprüfung ab. Mit Leichtigkeit erfüllte sie die ihr gestellten Aufgaben. Obwohl..... genau in dem Moment als sie an der Reihe war zu zeigen wie sie gelernt hatte ordentlich
bei Fuß zu laufen, landete ein fre- cher Vogel direkt vor uns. Völlig überrascht und sichtlich irritiert gab ich Sally das Kommando “ sitz ”, welches laut Prüfungsordnung im Augenblick überhaupt nicht an der Reihe war. Mein
hilfloser Blick ging in Richtung Prüfer: “ Was nun “??? Dieser näherte sich dem selbstbewussten Piepmatz, der fröhlich vor sich hin hüpfend, den weiteren Prüfungsablauf boykottierte. Der Prüfer benötigte eine er- hebliche
Anzahl Verscheuchungsversuche, bis der Vogel endlich Reißaus nahm und davon flatterte. Zum Glück hatte diese unplan- mäßige Vogelgeschichte keinerlei Konsequenzen für das Prüfungsergebnis. Im Gegenteil, es wurde lobend erwähnt
das Sally ohne Lei- ne und trotz der großen Ablenkung brav sitzen geblieben war.
Sally war mit solch einem Eifer bei dem Erziehungskurs dabei, dass wir uns im Anschluss noch für weitere Beschäftigungskurse anmel-
deten. Desweiteren lebte Sally bei den Freilaufmöglichkeiten unheimlich auf. Sie genoss es mit auserwählten Vierbeinern zu toben und zu spielen. Daraus entwickelte sich so manche innige Hundefreundschaft. Sally wurde nie
aggressiv oder attackierte einen anderen Vierbeiner. Sie verhielt sich sehr sozial, und wenn die Situation etwas brenzlicher wurde, dann zog sie sich zurück.
Nachdem Barney gestorben war, hatte ich mir fest vorgenommen
mich intensiv mit Sally alleine zu beschäftigen, um unerwünschte Verhaltensauffälligkeiten in richtige Bahnen zu lenken. Nach einigen Wochen stellten sich die ersten Erfolge ein, und Sally entwickelte sich in vielen Richtungen
sehr positiv. Als ein Jahr vergangen war, fassten wir den Gedanken nach einem Zweithund zu suchen. Ich war mir unschlüssig ob eine Hündin oder ein Rüde besser zu Sally passen würde. Es ergab sich die Möglichkeit das
auszutesten, indem einige Hunde als Pensions - bzw. Tagesgäste bei uns Zuhause wohnten. Letztendlich entschieden wir uns doch für einen männlichen Partner. Es sollte ein stolzer, kleiner Briardrüde werden...
Bevor der
kleine Zwerg in unser Leben treten sollte, wollte ich die Gelegenheit nutzen mit Sally ein Clickerseminar zu besuchen. Im März 2000 war es schließlich soweit. Sally verhielt sich zu Beginn relativ zurückhaltend bei der Sache
mit dem Clicker. ... aber als sie nach einigen Versuchen und Erklärungen das Prinzip verstanden hatte, entwickelte sie sich zu einem absoluten Clickerfreak. Obwohl sie eher ein introvertierter Typ war, ging sie richtig aus sich
heraus und wurde immer kecker und aktiver. Von diesem Seminar nahm ich sehr viele wertvolle Dinge für mich und Sally mit nach Hause. Jedoch wurde dieses Erlebnis von einer Schrecksekunde begleitet... Als ich am Abend in unserem
Hotel einchecken wollte, war ich zu bequem zweimal den langen Weg zu laufen. Ich bepackte mich mit unserem kompletten Gepäck und lies Sally ohne Leine neben mir her laufen. Das Hotel hatte mehrere Stockwerke, und unser Zimmer
befand sich in einer der oberen Etagen. Ich war mir unsicher ob Sally mit mir Aufzug fahren würde. Aus diesem Grund entschied ich mich für die Unmengen vor uns liegenden Treppenstufen. Plötzlich bemerkte ich, dass etwas graues
an meiner Seite fehlte. Sally war verschwunden! Mich überfiel eine heftige Panikattacke, und ich lies all meine Gepäckstücke an Ort und Stelle samt Geld, Handy und Wertgegenstände, einfach stehen. Ich spurtete los um meinen
Hund wieder zu finden. Die unzähligen Gänge dieses Hotels glichen ei- nem Irrgarten. Meine Angst um Sally wurde immer größer. Ich rief in das riesige Treppenhaus bzw. durch das komplette Hotel immer wieder nach ihr, aber ich
nahm nicht einmal ein leises tapsen von Hundepfoten wahr. Auf einmal hörte ich Stimmen: “ Suchen sie einen Hund ”? Ich bejahte dies und rannte so schnell ich konnte die vielen Treppen hinunter, immer Richtung dieser mir
unbekannten Sti- mme. Dort stand mein Sallyhund ziemlich bedröppelt im Eingangsbereich, an der Hand eines wildfremden, aber Gott sei Dank sehr mutigen Menschen. Dieser packte einfach das Halsband samt Hund, und lies es nicht
mehr los. Mein riesen Glück, denn der Eingang des Hotels war mit einer modernen Schiebetür ausgestattet. Mit großer Leichtigkeit wäre Sally nach draußen auf die stark befahrene Straße gelangt, welch schaurig, erschreckende
Gedanken. Ich bedankte mich bei dem beherzten Hundefänger, nahm Sally an die Leine, und machte mich auf die Suche nach unserem zurückgelassenem Gepäck, welches hoffentlich noch komplett irgendwo aufzufinden war.... Folgendes
lernte ich über Sally aus diesem Vorfall: Zuhause in ihrem gewohntem Bereich war Sally eine souveräne, wesensfeste Hündin, die ihren Weg zu gehen wußte. In fremder, ungewohnter Umgebung schwanden all diese
Charaktereigenschaften, und es schlichen sich Unsicherheit und Ängstlichkeit ein. Wiederum konnte ich Sally am nächsten morgen problemlos ohne Leine mit in den gut besuchten Frühstücksraum nehmen, und sie dort ablegen. Sie
startete keine Versuche diverse verlockende Frühstücke zu plündern, oder gar Reißaus zu nehmen.
Als einige Wochen später unser Briardbaby “ Piccolo ” bei uns einzog verblüffte mich Sally auf ein Neues. Sie entwickelte
sich zur per- fekten “ Piccolonanny ”! Es war für mich wunderschön zu beobachten, mit welch eifriger Fürsorge sie dem kleinen Fellknäul die wich- tigen Dinge des Lebens beibrachte. Sie blühte mit Piccolo völlig auf und schien
rundum glücklich über den Familienzuwachs. Auf der einen Seite lies Sally sich regelmäßig zu einer gemeinsamen Spielrunde überreden, wortwörtlich über Tisch und Sofa... ;O) , auf der anderen Seite konnte sie sehr
konsequent sein, und griff so manches Mal hart durch wenn der Kleine zu aufmüpfig wurde. Nicht eine einzige Sekunde hatte ich Bedenken, dass sie Piccolo hätte ernsthaft verletzten können. Sally genoss mein vollstes Vertrauen
und erfüll- te ihren Job als Hundeziehmutti wundervoll.
Traurigerweise stellte sich heraus das Sally nicht gesund war. Anhand von Röntgenaufnahmen diagnostizierte der Tierarzt eine links- seitig schwer geschädigte Hüfte.
In jungen Jahren konnte Sally diesen Defekt relativ gut kompensieren. Mit zunehmendem Alter häuf- ten sich die Beschwerden, und der Tierarzt musste helfen.
Von all unseren Hunden war Sally der erste Hund der es innig
liebte, bei Sonnenschein den lieben langen Tag im Garten zu verdösen. Sie machte es sich auf “ ihrem ” Platz gemütlich, sodass sie am Abend wenn es dunkel wurde mehrere Einladungen benötigte, um den Weg ins Haus zu finden.
Oftmals musste ich mit Engelszünglein auf sie einreden...
;O) , obwohl sie sich im Haus den kuscheligsten Liegeplatz ausgesucht hatte. Ein überdimensionales rundes Kissen, worauf Lotti schon viele gemütliche Stunden verbrachte. Eigentlich wollte ich das Kissen nach Lottis Tod entsorgen, aber als ich sah mit welchem Genuss Sally sich dort hinein kuschelte, habe ich dies nicht übers Herz gebracht.
Im Jahr 2001 wurden Sallys Schmerzen bedingt durch ihren Hüftschaden schlimmer, sodass sie teilweise sehr aggressiv wurde. Ich be- obachtete wie ihre Bewegungen beschwerlicher wurden, und ihr Gang sich stetig
verschlechterte. Sie humpelte oftmals und begann ihr Körpergewicht auf ihre Vorderbeine zu verlagern. Selbst Piccolos heiß geliebte Spielaufforderungen ignorierte sie. Wir informierten uns welche Möglichkeiten es gab um Sally
zu helfen. Wir entschieden uns für eine Goldakkupunktur, die für eine Schmerzlinderung sorgen sollte, jedoch leider nicht die gewünschte positive Reaktion der Verbesserung brachte. Während der warmen Sommermonate kam Sally mit
ihren Schmerzen recht gut alleine klar, und brauchte keine Hilfe. Allerdings verschlechterte sich ihr Zustand zunehmend zur kälte- ren Jahreszeit, und wir mussten ihr mit Schmerztabletten helfen.
Mein Traum war es schon
immer einem Hund beizubringen, eine von mir gelegte Fährte abzusuchen. Ich hatte schon einige Bücher da- rüber gelesen, aber mich in der Praxis noch nie getraut. Eines Tages beschloss ich mutigerweise mit Sally einen Versuch zu
starten. Ich suchte ein geeignetes Gelände und legte eine Fährte, genau so wie ich es zuvor nachgelesen hatte. Anschließend nahm ich Sally aus dem Auto heraus, setzte sie am Start an, um den Geruch aufzunehmen. Ich machte mir
solche Sorgen was? wenn? wie? sollte ich rea- gieren, wenn Sally DAS nicht verstehen würde. Pah, mein Sallyhund! Als hätte sie nie etwas anderes als schnüffeln gemacht. Völlig souverän rüsselte sie, mit Nase am Boden klebend,
die komplette Strecke ab, ohne sich nur ein Mal des Weges zu irren. Als Sally am Ziel ihren Jackpot verspeiste war ich total happy. Wieder einmal habe ich nicht meinem Hund etwas beigebracht, sondern umgekehrt war es der Fall.
Eine wunderbare Erkenntnis...
Da Sally wegen ihres Hüftschadens nicht viel springen sollte, war diese Fährtenarbeit genau das passende für sie. Nicht nur das sie unheimlich viel Spaß bei dieser Art der Hundebeschäftigung hatte, der Weg war mit un- endlich viel Munition gepflastert. =O) Meine Lektion die ich aus dieser Geschichte lernte: Schenke deinem Hund Vertrauen!
Desweiteren wollte ich Sally gerne das Apportieren beibringen, was sich sehr aufwendig und nicht so einfach gestaltete. Sie kannte le- diglich herumkauen auf ihrem heiß geliebten Tennisball! Zuerst versuchte ich sie zu
überreden, viele verschiedene Gegenstände in ihr Maul zu nehmen und zu tragen. Dieses alleine nahm viel Zeit in Anspruch, da Sally nur bereit war ihr Balli gegen ein Plüschtier einzu- tauschen. Gummi- oder Holzartige
Gegenstände verweigerte sie komplett. Durch Piccolos Züchter bin ich auf die Futterbeutelarbeit aufmerksam geworden. Da Sally für Futter fast alles tat, gelang letztendlich mit dieser Methode das vorbildliche apportieren.
Erschwert konnte ich den Futterbeutel sogar im Wald oder im Haus verstecken, sodass die Apportierarbeit nun auch mit Suchen kombiniert wur- de. Sally arbeitete nicht superschnell aber dafür sehr zuverlässig, und ich konnte
davon ausgehen, dass sie ihren mittlerweile heiß ge- liebten Futtibeutel zielsicher zu mir brachte, um die verdiente Belohnung abzustauben.
Auf dem Hundeplatz bei Piccolos Züchtern verbrachten wir drei unheimlich viel
Zeit und erlebten viele schöne Hundetage. Dort lernten wir auch Max (12 Jahre alt) kennen, der Sohn von den Besitzern von Piccolos Schwester Blue. Allerdings durfte Max niemals mit den Familieneigenen Hunden arbeiten. So
hatte es sich ergeben, dass Sally und Max zueinander fanden, und sich regelmäßig Samstags zum gemeinsamen Spaß haben trafen. Sally mochte Max sehr gerne, nicht nur dass sie ihm bei der Hundearbeit folgte, noch mehr liebte sie
es seine randvoll, mit den tollsten Leckerlies gefüllten Hosentaschen, zu leeren. =O)
Sallys kranke Hüfte bereitete ihr erneut Beschwerden. Um so wichtiger war es für sie, dass sie genügend erholsame Ruhepausen
hatte. Ich fand eine Anzeige in einer Hundezeitschrift in der Wasserbetten für Hunde angeboten wurden. Ich lag Bernd so lange damit in den Ohren, bis er zustimmte solch ein Bett für Sally zu kaufen. Diese Investition hatte sich
im Nachhinein absolut gelohnt, denn Sally ku- schelte sich in ihr neues Schlafdomizil so fest hinein, dass sie tief und vor allem erholsam schlafen konnte. Unsere Katzen kamen dieser Gemütlichkeit schnell auf die Schliche, und
belagerten das Wasserbett immer penetranter. Oftmals musste Sally ihren Bauch einziehen und zur Seite rücken, um den Schlafplatz mit den Miezekatzen zu teilen.
Einige Male besuchten wir Piccolos Schwester Blue. Heidi und
ich drehten gemeinsam mit 4 Hunden eine erlebnisreiche Wald- und Wiesenrunde im Siegerland. Anschießend verbrachten wir den restlichen Tag im Garten. Sally und Blue verstanden sich von der ersten Sekunde an prächtig. Die beiden
flitzten über Stock und Stein und inszenierten Jagdspiele vom Feinsten. Ging ihnen dabei die Puste aus, kein Problem. Sie schmissen sich auf den Boden, wälzten sich und lagen quer über - und untereinander und knufften weiter.
Da ich das wußte, dass die zwei beim Spielen und Toben kein Ende fanden, ich aber keine Spielverderberin sein wollte, gab ich Sally zu- vor eine weitere
Schmerztablette, damit sie diesen tollen Tag ohne größere Beschwerden genießen konnte. Piccolo und Blues Gefähr- tin Kira standen am Rand und schauten den beiden herumwirbelnden Mädels neidisch zu. Für Sally waren diese Besuche bei Blue spie- len pur..... Hund sein dürfen mit einer netten Hundedame, die auf Sallys Wehwehchen Rücksicht nahm und sich sehr vorsichtig und sanft näherte.
In der Holzhütte in unserem Garten entdeckte ich eines Tages ein Marderpärchen samt Nachwuchs. Obwohl Nachtaktive Tiere mach- ten die Kleinen Tagsüber solch ein Spektakel, dass Sally sich während ihres
Mittagsnickerchens im Garten gestört fühlte. Sie schlich immer wieder um die Hütte, aber sie konnte diese kleinen Störenfriede einfach nicht ausfindig machen. Ich stand an meinem Küchen- fenster und beobachtete das
Geschehen, wie die Marderbabies beim Aushecken irgendwelcher Schandtaten Sally sprichwörtlich auf der Nase herumtanzten. Sally war sichtlich empört darüber, dass sie diese kleinen Marder nicht zu fassen bekam. Am allerliebsten
hätte sie sich diese Stinktiere auf den Mond gewünscht, Hauptsache ganz weit weg. ;O)
Irgendwann nahte der Tag, an dem Sally operiert werden musste, weil die Schmerzen ihrer Hüfte unerträglich wurden. Sally zog
sich mehr und mehr zurück, und wurde immer aggressiver. Ich fand über Internet einen Spezialisten, und machte dort einen Termin klar. In der Hoffnung, dass Sally geholfen werden konnte. Nach ausführlicher Beratung und
reiflicher Überlegung wurde bei Sally eine Muskel- durchtrennung vorgenommen, die den Hüftschaden zwar nicht beheben konnte, aber Sally Erleichterung verschaffen sollte. Als Sally am späten Nachmittag die Narkose ohne Probleme
überstanden hatte, durfte ich sie mit nach Hause nehmen. Nun mussten wir die Zeit der Schonung noch bewältigen. Kurze Gassigänge standen an der Tagesordnung. Als willkommenes Ablenkungsmanöver, damit keine lange Weile
auftauchen würde, brachte ich Sally allerhand Schabernack mit dem Clicker bei. Unter anderem lernte sie mir die Socken vom Fuß zu ziehen... Dabei ging sie nicht gerade zimperlich an das Vorhaben ran, sodass ich ab und an
ihre Zähne in meinen Fußzehen zu spüren bekam. Damit Sally nicht in die Versuchung kam auf das Sofa zu hüpfen oder gar im Garten herumzuspringen, verbarrika- dierte ich diverse Schlupflöcher und Zugänge. Nach 2 Wochen hatte
Sally die Faxen dick, nicht in ihren heiß geliebten Garten zu dür- fen. Sie ignorierte jegliche Absperrung, sprang leichtpfotig über diese hinweg als ob nichts gewesen wäre. Mir stockte fast der Atem, frisch operiert und dann
so etwas. Sally lief gemütlich zu ihrem Lieblingsplatz im Garten, aalte sich genüsslich eine Runde im Gras, und fiel anschließend in einen entspannten Mittagsschlaf...
Als Sally sich erholt hatte und die Schonfrist von 6
Wochen überstanden war, fuhren wir Richtung Osnabrück um meine beste Freun- din Ina zu besuchen. Ich war sowas von neugierig, denn erst vor kurzem war sie in einen Bauernhof umgezogen. Allerlei Getier wie Hühner, Enten, Katzen,
Hasen, Meerschweinchen, Bobtail Kalle, Terrier Charly, Pferde, Schafe etc. wohnten dort. Schlaraffenland pur für Sally.
;O) Den ganzen Tag war Sally damit beschäftigt irgendwelche Tiere zu behüten, und fand letztendlich in Kater Anton ihr passendes Opfer. Dieser lag schlafenderweise in seinem Körbchen, und störte sich überhaupt nicht daran, dass Sally an ihm ihren Trieb voll auslebte, indem ihre Nasenspitze die Seine berührte. Sally blühte in diesem Tierharem völlig auf.
Als unsere Freigängerin Mrs. Beesley im fortgeschrittenen Alter immer mehr Probleme mit der kalten Jahreszeit bekam, beschloss ich sie im Haus Zwangseinzuquartieren. Dies genoss Sally in vollen Zügen. Das Körbchen, das
Wasserbett, und vieles mehr teilte sie gerne mit der Mieze, jedoch nicht ihr Futter! ;O) Wo auch immer sich Ömchen aufhielt, war der unzertrennliche Schatten Sally nicht weit...
Eines Tages fand in der
Hundeschule erneut eine Prüfung statt. Der Zustand des Platzes war allerdings alles andere als tauglich für die- ses Vorhaben. Es regnete einige Tage vorher Bindfäden, sodass mehr Matsch als Grasnabe vorhanden war. Ich
zweifelte doch arg an der Vorstellung, dass Sally ihre Prüfungsaufgaben unter solchen Bedingungen erfüllen würde. Welcher Hund setzte oder legte sich da schon freiwillig in eine Matschepfütze... Tja, wenn es darauf ankam
war meine Sally einfach ein Knaller. Sie bahnte sich tapfer einen Weg durch den Knatsch und bestand ihre Prüfung. War ich stolz auf meine Perle!
Was mir absolut in Erinnerung bleiben wird, waren diese typischen
Sallyspielaufforderungen Piccolo gegenüber. Sie flitzte schnell einige Meter voraus, drehte sich um und legte sich platt wie eine Flunder auf den Boden. Piccolo seinerseits tat so, als ob er von all dem gar nichts mitbekommen
hätte, und ignorierte den “ Platthund “. So ein Schlitzohr, natürlich wußte er aus unzähligen vorhergegangenen Situationen was jetzt auf ihn zukommen würde. Urplötzlich schoss Sally nach vorne, und das Jagdspiel konnte
beginnen. Mal versuchte sich Sally als Beute, mal musste Piccolo für diesen harten Job herhalten. Hatte Sally an solch einem Tag wenig Schmerzen, dann konn- te solch ein Spiel recht ausgedehnt ausfallen. Und ich als Zuschauer
kam voll auf meine Kosten.
Verbrachten wir recht warme Sommertage am Wasser, so hatte Sally jede Menge Arbeit mit den Ufererkundungen. Sie konnte zwar schwimmen, dennoch liebte sie das Herumstöbern am Wasserrand. Nahm
sie einen Geruch, der essbares bedeutete wahr, dann fing sie an den Uferbereich abzutragen, und buddelte. Ihre Fellfarbe veränderte sich während dessen schon mal von hellgrau in die verschie- densten Erdfarbentöne. Kein
Problem, denn das Badewasser war nicht fern... =O)
Ab und zu lies ich Sally gewähren und sie durfte im Feld buddeln. Graben nach Lust und Laune, DIES konnte sie sich natürlich nicht entgehen lassen. Mit voller
Wonne stürzte sie sich in die Arbeit, und Ruck Zuck häufte sich ein kleiner Erdwall direkt neben ihr an. Ich konnte fest davon ausgehen, dass sie bei diesen Erdaushubarbeiten stets fündig wurde. Am Ende ihrer schweißtreibenden
Arbeit kam meist ein bewohntes Mäusenest zum Vorschein.
Trotz der Hüftprobleme erlebte ich nie das Sally nicht mit Gassi gehen wollte. Irgendwann schlich sich bei ihr eine sichtbare Fehlbelas- tung ein. Um ihre
schmerzhafte Hüfte zu schonen, verlagerte sie ihr Körpergewicht zusehends auf die Vorderpfoten. Die Muskulatur ihres linken Hinterbeines nahm sichtbar ab. Um das Fortschreiten dieses unvorteilhaften Zustandes einzudämmen,
kontaktierte ich eine Hundephysiotherapeutin. Dort wurde uns eine Schwimmtherapie, zum Aufbau der Muskulatur empfohlen. In regelmäßigen Abständen fuhren wir in die Praxis, um uns in die Fluten zu stürzen.
=O) Ich zog mir ein sehr undekoratives Angleroutfit über, und hupfte ins Wasser. Sally bekam zur Erleichterung eine Schwimmweste verpasst, und folgte mir ins Becken. Am Anfang schwamm Sally ungefähr 5 Minuten, was sich zum Schluss bis zu fast 30 Minuten steigerte, je nachdem wie gut drauf Sally an diesen Tagen war. Danach wurde Sally kräftig trocken gerubbelt, und durfte unter wärmendem Rotlicht eine Ganzkörpermassage genießen. Währenddessen bekam sie regelmäßig Schlitzäugelchen und schlief völlig entspannt ein. ;O) Die anstrengende Prozedur wurde bald belohnt, denn Sallys Musku- latur baute sich nach und nach auf, und sie konnte ihr Körpergewicht nun wieder symmetrischer verteilen. Mein Tierarzt schüttelte An- fangs den Kopf, und meinte das wäre herausgeworfenes Geld! Als er letztendlich das Ergebnis, in Form von Muskulaturaufbau sehen und fühlen konnte, war er völlig begeistert und lobte unseren Einsatz.
Eines Tages stöberte ich in diversen Hundezeitschriften, und verschlang einen Bericht über intelligente Hundespielzeuge. Als verant- wortungsvoller Hundebesitzer war man schließlich stets darauf bedacht, dass der Hund
gut ausgelastet wurde. Also gönnte ich meinen zwei Vierbeinern solch ein Hundespielzeug. Die Idee fand ich einfach klasse, jedoch musst ich feststellen, dass diese Geräte meist für kleinere Exemplare ausgelegt waren, und meine
großen Briards diverse Probleme mit diesen filigranen Klötzchen hatten. Ich begann mir Gedanken zu machen und brachte viele Ideen auf Papier, um sie anschließend nachzubauen. ( So manches Mal mit Unterstützung meines Vatis. An
dieser Stelle Ein dickes DANKE SCHÖN! ) Diese Heimwerkerspiele entwickelten sich zur absoluten Vorliebe von Sally. Sie zog z. B. die Schubladen von meinem Schubladenspiel mit solch einem Elan heraus, dass die Anschläge
versagten und die
Laden mit einem lauten Knall auf dem Boden landeten. ;O) Bastelte ich an einem neuen Projekt herum, konnte Sally die Fertig- stellung kaum abwarten. Die Hoffnung, dass Sally mit einem neuen Spiel einige Zeit herausgefordert und beschäftigt war um die Lö- sung herauszufinden, musste ich schnell begraben. Ruck zuck hatte sie durch Ausprobieren, manchmal etwas ungestüm, herausgefun- den was sie tun musste, um an die leckere Munition zu gelangen. Sally liebte es, da sie ein prädestinierter Pfotenhund war, eine Hotel- rezeptionsklingel mit ihrer Pfote zu betätigen. Sie entwickelte solch eine Aktivität, dass die Bimmel kaum zur Ruhe kam, und Sally zwischendurch sogar vergaß, ihre Belohnung bei mir einzuholen.
Mittlerweile waren wir in einem anderen Hundeverein gelandet, um uns neuen Aufgaben zu stellen. Dort wurden viele verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten. Bedingt durch ihre körperliche Einschränkung konnte
Sally nicht an allen Aktivitäten teilneh- men, jedoch hatte sie enorm viel Freude bei der Gerätearbeit. Ich achtete stetig darauf, dass der Parcours Sallygerecht aufgestellt wur- de, damit sie nie zu hoch springen würde.
Nasenarbeit, Gruppenarbeit, diverse Unterordnungsspiele, Apportieren etc. all das bewältigte Sally gerne und mit großer Freude. Ihre besondere Vorliebe galt der mit Wasser befüllten Kindersandmuschel. Um sich bei sommerlich,
warmen Temperaturen Abkühlung zu verschaffen, zog Sallyhund ihren dicken Bauch ein, und schwups passte das große Tier in die kleine Mupfel. =O) Allerdings nahm der Wasserstand nach Sallys Bad rapide ab, denn als
sie herauskrabbelte hingen einige Liter Wasser in ihrem langen Pelz und tröpfelten vor sich hin.
Sallys Nervenkostüm wurde mit fortschreitendem Alter zunehmend dünner. Sie reagierte auf diverse Geräusche, und bei
Gewitter nahm ihre Ängstlichkeit enorm zu. Ich vermisste die Leichtigkeit und ihre Souveränität, mit der sie früher diese Dinge einfach weg- steckte. Ich erinnere mich an ein schlimmes Gewitter, welches direkt über uns hinweg
zog. Ich versuchte Sally nicht zu trösten, da dies ihre Angst bestätigt hätte. Ich versuchte zu ignorieren, sie dennoch immer im Auge zu behalten. Trotzdem war Sally plötzlich spurlos verschwunden! Ich bekam panische
Schweißausbrüche, und suchte sie verzweifelt im ganzen Haus und im Garten, jedoch ohne Erfolg. Ich malte mir in Gedanken und in meiner Angst um sie aus, wie sie durch ein Schlupfloch nach draußen gelangte, und nun kopflos um-
her irrte. Ich zog mir Schuhe und Jacke an und wollte sie suchen. Irgendeine Eingebung lenkte mich vorher nochmals in den Keller um nachzusehen. Dann entdeckte ich das “ Häufchen ” Sallyhund....
Es war für mich nicht nachvollziehbar, wie sie sich in diese Lage gebracht hatte. Sie musste im Vorfeld eine schwere Eisentür zur Garage öffnen, um anschließend über die Beifahrertür zu hüpfen, um in Bernds kostbaren Oldtimer zu gelangen. Dort hockte sie nun bibbernderweise auf dem Beifahrersitz, mit ängstlich, verwirrtem Blick, und beide Ohren bis zum Anschlag angelegt. Mit magischer Überredungskunst und höllischem Fingerspitzengefühl gelang es Bernd, Sally aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Fortan klebten meine Augen auf Sally beim leisesten Anbahnen eines Gewittergrollens.
Info: Das “ gute Stück ” hatte glücklicherweise bei dieser Aktion keinerlei Kratzspuren abbekommen.
Eine außergewöhnliche Begabung schrieb ich Sally zu. Sie verstand es wilde Katzen zu zähmen. Mehrere Jahre versorgte
ich 3 Katzen von einem Bauern, der sich nicht sonderlich kümmerte. Eine dieser Katzen war sehr wild, im Prinzip konnte man sie nicht berühren. Dennoch fühlte sich genau diese Katze von Sally angezogen. War Fütterungszeit kamen
uns alle 3 Miezen miauend entgegengelaufen, um sie völlig zu umgarnen. Sally war in ihrem Element und genoss die unzähligen Liebesbekundungen der Miezekatzen. Mit ihrem um- werfenden Charme hatte sie es tatsächlich geschafft,
eines dieser Exemplare bis zu uns nach Hause zu locken. Unsere letzte Gassirunde im Winter wurde regelmäßig von einer Katze
( wir tauften sie Miss Moneypenny ) begleitet. Sie hielt im Dunkeln Ausschau nach uns, und erfreute sich jeden Abend wenn sie uns entdeckte, und heftete sich an unsere Fersen. Irgendwann endete die abendliche Runde der Katze mitten in unserem Wohnzimmer. Sally war happy endlich wieder eine Samtpfote an ihrer Seite zu haben.
Erneut musste Sally operiert werden. Zu Jahresbeginn wurde ein Tumor an ihrem Fuß entdeckt und anschließend entfernt. Später ha- ben wir nach reiflicher Überlegung entschieden, dass Sally ein neues Hüftgelenk bekommen
sollte, damit diese Schmerzvolle Zeit end- lich ein Ende bekommen würde. Ich hatte das Gefühl, wenn eine Sache ausgestanden war, dass sich eine neue Krankheit sofort ankün- digte. Es tat mir immer wieder aufs Neue leid wenn
Sally geschont werden musste. Wo ein Mensch sich beklagt hätte, begann Sally zu kämpfen und rappelte sich wieder auf. Erstaunlich wie sie all die Schmerzen und Wunden hinnahm.
Sally bekam von mir ein rotes
Hundemäntelchen verpasst, welches ich mit einem weißen Tesakreuz flicken musste. Aus diesem Grund nannten wir sie “ Schwester Hildegard ” wenn sie ihre Feuerwehrbekleidung trug. Für besonders kalte Tage fertigte ein Schneider
ein angegossenes Exemplar aus Jeansstoff mit isolierendem Innenfutter, und ich peppte das gute Stück mit vielen bunten Pfotenabdrücken auf. Wenn schon Hundebekleidung, dann sollte es natürlich Stilsicher, extravagant und
selbstverständlich hübsch aussehen. An kalten oder nassen Tagen an denen Sallys Hüftschmerzen zunahmen, leistete diese Bekleidung gute Dienste und erfüllte ihren Zweck, indem sie einen warmen Schutz lieferte.
Durch
Zufall lernte ich das Tricktraining für Hunde näher kennen. Ziemlich schnell kristallisierte sich heraus, dass diese Beschäftigung für Sally der Himmel auf Erden war. Sie kombinierte unheimlich schnell, und wurde durch diese
Arbeit permanent aufmerksamer und aktiver. Sally zog eine Runde Blödsinn aushecken einem ausgiebigem Gassigang vor. Diese Möglichkeit der Unterhaltung bot sich bes- tens im Haus an, wenn das Wetter draußen schlecht war. Sallys
Eifer nahm fast kein Ende, wenn der Clicker zum Vorschein kam, der eine Extrarunde Tricks ankündigte.
Das Schicksal war besonders hart zu Sally. Nach ihrer aufwendigen Hüftoperation traten lebensbedrohliche
Komplikationen auf, so- dass ihre Prothese schnellstens entfernt werden musste. Wiederholt ein schwerer Eingriff. Wir überlegten lange, ob wir Sally diese stra- paziöse Operation zumuten sollten. Der behandelnde Professor
versicherte uns, dass sie nach der Reimplantation, sprich ohne Ober- schenkelhalsknochen, wieder schmerzfrei laufen würde. Sallys Hüftimplantat wurde heraus operiert, und sie erholte sich gut wenn auch langsam. Genau an dem Tag
als die 6 Wochen Schonung vorüber waren verhielt sich Sally an diesem Morgen sonderbar. Meine Tier- ärztin schickte uns sofort per Notfall in eine Tierklinik. Leider erkannte man dort den Ernst der Lage nicht, und behandelte
uns nicht mit der notwendigen Sorgfalt. Da sich Sallys Verhalten kaum besserte, beschloss ich am nächsten Tag, eine andere Tierklinik zu kon- taktieren. Dort gestaltete sich die Untersuchung dementsprechend, und der Tierarzt
wußte innerhalb von 15 Minuten wo bei Sally das Problem lag. Sie litt unter einem Herzbeutelerguss und sie befand sich in einem lebensbedrohlichen Zustand. Durch einen schnellen Eingriff konnte der Tierarzt meiner Sally
Erleichterung verschaffen, jedoch machte er mir nicht allzu große Hoffnung. Ich konnte Sally noch 4 wundervolle Wochen bereiten. Am 18. November gingen ihre Kräfte zu Ende und wir mussten sie gehen lassen.
Sally war für
mich nie “ mein ” Hund. Wir zwei fanden einfach nicht zueinander. Wir arrangierten uns und fanden Kompromisse, um gut miteinander auszukommen. Dennoch vermittelte sie mir immer wieder, dass sie auch ganz gut ohne mich klar
kommen würde. Ich wollte den Hintergrund herausfinden, warum sie nie eine engere Bindung zu mir aufbaute. Ich suchte mehrfach Rat bei Experten, und versuchte mich durch diverse Seminare fortzubilden. Sally entwickelte sich zu
einem Traumhaft gehorsamen Hund, aber die Basis, eine gute Bindung, fehlte trotz der Mühe die ich mir gab. Oft wünschte ich mir, dass Sally als Welpe zu uns gekommen wäre, dann hätte ich vielleicht eine bessere Chance gehabt.
Immer wieder bin ich an meine Grenzen gestoßen und es flossen zahlreiche Tränen. Sally war der Anstoß dafür, dass ich unheimlich viel über die Hundewelt lernen durfte. Durch sie bzw. durch ihr “anderes” Verhalten bin ich
dort hineingeschlittert, und irgendwann war ich total fasziniert von der Sache mit dem Hund. In den Augenblicken als Sally ausrastete, war ich stinkesauer und oftmals hilflos. Heute betrachte ich die Dinge mit anderen Augen und
bin dankbar dafür, dass sie über 8 Jahre an meiner Seite war. All die Hunde die nach ihr meinen Weg begleiten werden, sind Nutznießer von all den Erfahrungen die ich durch sie “ Meine Perle” gerlernt habe.
|