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Ich wollte so unendlich gerne wieder einen Kater im Haus haben. Da sich kein heimatloses, mit Köfferchen bepacktes Exemplar bei uns vor der Tür verirrte, fuhren wir ins Tierheim um nach einem neuen
Familienmitglied Ausschau zu halten.
Bernd und ich wurden in ein großes Katzenzimmer geführt. Nun standen wir zwei mit einem blöden Gefühl in der Bauchgegend mitten in dem Katzengewusel. Wir fragten uns nach welchen
Kriterien sollten wir ein Tier auswählen? Schließlich suchten doch all die vielen hier lebenden Katzen nach einem neuen Dosenöffner.
Mir fiel gleich dieses kecke getigerte Etwas auf, was durch das Katzenzimmer
wirbelte! Es suchte verzweifelt spielerischen Anschluss bei seinen Mitbewohnern, aber kaum jemand hatte Lust ihm diesen Wunsch zu erfüllen, da gerade Nickerchenzeit angesagt war. Auf Nachfrage beim Personal erfuhr ich, dass
dieses Katerchen mit Namen Moritz knapp 1,5 Jahre alt war. Er wurde als Fundtier dem Tierheim übergegeben.
Bernd jedoch verguckte sich in ein schwarzes 10 jähriges Miezekatzenömchen. Er meinte, sie hätte ein neues
Zuhause eher verdient als alle anderen, die wohl jüngeren Semesters waren. Er versuchte mit der älteren Dame Kontakt aufzunehmen, und ging auf Kuschelkurs. Oma Mieze war allerdings anderer Meinung und holte mit ihrer Pranke
aus, und patsch hatte Bernd einen seitlichen Hieb abbekom- men. Nach dieser sehr unschönen Attacke hatte es die alte Katzendame bei Bernd sichtlich verschissen. Somit konnte ich ihn doch noch davon überzeugen, dass Moritz
der passende Kandidat für unsere Familie war.
Wir erledigten im Tierheim noch den dazugehörigen Papierkram und dann ging es Richtung Heimat.
Barney und Opa freuten sich über neue tierische Gesellschaft. Klein
Moritz wurde von den beiden sofort adoptiert. Besonders mochten sie ihn, weil dieser kleine, nette Kerl unseren gesamten Alltag auf den Kopf stellte, indem er sich allerhand Blödsinn einfallen ließ.
Am Anfang wollte ich unseren kleinen Mann gerne nur im Haus halten, da er sich gut eingewöhnen sollte. Ich besorgte ein Katzenge-
schirr, und angeleint durfte Moritz ab und zu mit mir gemeinsam Freigang genießen. Er fand das übrigens ziemlich doof...
Dieser immer gut gelaunte Kater hatte so unheimlich viel Schabernack auf Lager. Des Öfteren musste
ich ihm erklären, dass die Vögel in unserer Vogelvoliere zur Familie gehörten, und nicht in den Katzenmagen. Ich pflückte ihn mindestens 2x in der Woche von dem Käfig ab. Auch als Schaf verkleidet trug er zur allgemeinen
Belustigung bei. Er wickelte sich in ein Schafsfell ein, oder krabbelte darun- ter, um anschießend mit dem Fell auf seinem Rücken durch die Wohnung zu flitzen. Ab und an leider mit nachfolgenden Blessuren, da er, blind wie
Paul, gegen Wände, Türen oder andere umherstehende Gegenstände rempelte. Seine größte Leidenschaft bestand daraus, dass er sich heimlich, wenn er die Gelegenheit bekam, in meinen Küchenschrank schlich. Er hockte dann einfach so
zwischen diversen Töpfen und Bratpfannen und fand dies total lustig.
Um Katerchens großen Tatendrang Herr zu werden, überzeugte ich Bernd, dass ein Kratzbaum zum Austoben her musste. Ich fuhr in ein Geschäft und kaufte
ein mächtiges Exemplar. In der Hoffnung, dass klein Moritz vielleicht etwas ruhiger werden würde. Diese Re- chnung ging auf, denn Moritz kletterte, turnte, und ab und zu hatte er sogar Zeit für ein kleines Nickerchen in
einer der Höhlen.
Als die Zeit gekommen war durfte Moritz nach draußen. Wir bauten unsere alte Katzenklappe wieder ein, sodass er sich frei bewegen konnte. Mit großer Freude hüpfte er durch den Garten und
ging seiner großen Leidenschaft nach, den Piepmätzen hinterher zu jagen. Eben ein richtiger Kater, wenn auch ein riesengroßer Kindskopf zugleich.
Großes Interesse löste bei ihm unser Gartenteich aus. Ich rechnete täglich
damit, dass er eine unserer Goldorfen im Schlapptau hatte. ... aber es kam ganz anders. Eines Tages erwischte ich ihn mitten im Wohnzimmer, als er einen armen Frosch bespielte. Ziemlich sauer nahm ich ihm sein “Spielzeug”
ab, was er natürlich nicht verstand, und brummig, die Katzenklappe laut hinter sich scheppernd zu schmeißend, in den Garten verschwand.
An warmen Sommerabenden vergaß Moritz regelmäßig bzw. pünktlich nach Hause zu
kommen. Als fürsorglicher Dosenöffner konnte ich dieses Verhalten natürlich nicht durchgehen lassen. Ich setzte mich in mein Auto und fuhr ins Feld, um nach ihm zu suchen. Ich wurde meist fündig da Moritz sich selbst verriet.
Ich ortete ihn just in einem Moment, als er zielgerecht einen Mäuselsprung ansetzte. Ich tuckerte mit meinem Töff direkt neben ihn, öffnete die Tür und bat ihn einzusteigen. Ohne zu zögern hüpfte er hinein, kletterte meist auf
das Armaturenbrett, und lies sich stolz wie Oskar nach Hause chauffieren.
Als unsere Sally zu uns kam blühte Moritz auf, denn Sally war eine außergewöhnliche Katzennärrin. Sie schmuste, spielte, pflegte, trö-
stete, hielt gemeinsam Mittagsschläfchen... war einfach nur die gute Seele für die Katzen in unserem Haus. Sie hätte wohl den ersten Preis als Katzennanny verdient.
Als Bernd eines Tages von der Arbeit nach Hause kam, fand er, bei strömendem Regen, Moritz fast bewusstlos im Garten liegend. So-
fort legte er ihn in eine Transportbox und fuhr zu unserem Tierarzt. Dieser konnte, trotz intensiver Untersuchung, nicht eindeutig fest- stellen was unserem kleinen Mann fehlte. Ich verbrachte mehrere Tage und Nächte mit
meinen Katerchen zusammen auf dem Sofa. Der Tierarzt behandelte klein Moritz täglich mehrfach bei uns Zuhause, jedoch trat leider keine Besserung ein. Der Zustand von Moritz verschlechterte sich permanent, und in der Nacht ist
er in meinen Armen für immer eingeschlafen.
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