|
Yeti, ein wie sich später herausstellte, bildhübscher Bouvierrüde, wurde 1991 aus schlechter Haltung befreit. Zu dieser Zeit arbeitete ich im Tierheim, und war entsetzt über seine körperliche Verfassung. Sein
Fell bzw. der Filz musste zuerst geschoren werden, um seine unzähligen Wunden, die man nicht sehen konnte, zu versorgen. Es wurde festgestellt, dass Yeti gebrochene und schlecht wieder zu- sammengewachsene Vorderbeine hatte.
Sein Kiefer war irgendwann gebrochen und schief verwachsen. Einige Rippen waren, nachdem sie gebrochen wurden, nicht optimal behandelt worden. Viele unbeachtete Brüche und unzählige Wunden die nicht behandelt wurden...
Wie ich später erfuhr wurde Yeti als Wachhund für einen Bullterrier gehalten. Man nannte ihn sogar Wachhund...?!
Ich hatte mich natürlich sofort in diesen Hund verguckt. Niemand mochte ihn so richtig, er wurde als böse
abgestempelt, weil er sich hinter den Gittern seines Zwingers aufbaute. So bekamen die Besucher des Tierheimes natürlich ein falsches Bild von ihm. Ein großer, “böser”, kläffender, “aggressiver” Hund... Somit gingen unendlich
viele Leute an ihm vorbei, ohne jegliches Interesse.
Ich schloss einen Patenschaftsvertrag mit dem Tierheim ab. Von da an konnte ich Yeti jeder Zeit zum Gassi gehen mitnehmen. Nach Arbeitsende beeilte ich mich, damit wir
zwei noch eine große Runde drehen konnte. Allzu viel Zeit hatte ich jedoch nicht, denn Lotti und Dickie warteten Zuhause.
Eines Tages brach Yeti im Tierheim zusammen, als ich gerade mit ihm Gassi gehen wollte. Ich
schnappte ihn mir und fuhr sofort zum Tierarzt, der aber nichts dramatisches feststellte. Trotzdem machte ich mir sehr große Sorgen. Es fiel mir immer schwerer nach Hause zu gehen und Yeti in seinem Zwinger im Tierheim zu
belassen.
Als ich meine Anstellung im Tierheim kündigte, war ich sehr traurig Yeti dort zurücklassen zu müssen. Nach einigen Gesprächen gab Bernd grünes Licht, und nun lag es an Barney und Yeti ob wir Familienzuwachs
bekommen würden. Ich nahm Barney, der bekannt- licherweise eher unverträglich war, mit ins Tierheim. Ein Tierheimmitarbeiter hatte Yeti an der Leine, und wir brachten die beiden Rü- den an einem neutralen Ort zusammen.
“Yiephie”! Keinerlei Aggressionen! Sofort war es beschlossene Sache, dass Opa Yeti unser 3. Familienzuwachs werden würde.
Viele Mitarbeiter vom Tierheim warnten mich, “DER” kommt doch aus dem Zwinger... “DER” kennt doch
überhaupt keine Wohnung! Er wird dir bestimmt die komplette Wohnungseinrichtung zerstören, und seine Geschäfte im Haus verrichten! Was soll ich sagen, Opi hatte niemals irgendetwas im Haus kaputt gemacht, und er wußte genau wo
er seine Geschäfte zu erledigen hatte. Viele blöde Vorur- teile, die glücklicherweise nie eingetreten waren.
Yeti war immer noch in einem schlechten Zustand. Seine vielen Wunden verheilten nur langsam, und sein Fell
wuchs zögerlich. Bei meinem Tierarzt stellte ich ihn vor und lies ihn durchchecken, weil ich das Gefühl hatte es war etwas nicht in Ordnung. Wie sich nach intensiven Untersuchungen herausstellte, hatte Yeti einen Nierenschaden,
und 2/3 des Gewebes waren komplett zerstört. Diese Krank- heit war nicht mehr zu stoppen bzw. zu heilen. Ich hatte nur eine Chance meinem Yeti zu helfen, indem ich täglich für ihn eine auf- wendige, spezielle Diät kochte, damit
das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt wurde. Der Tierarzt gab ihm damals gerade mal eine Lebenserwartung von 6 Monaten...
Joe Banana, wie wir in liebevoll nannten, war heilfroh ein Dach über dem Kopf zu haben,
genoss einfach die vielen Schmuseeinheiten, und war sichtlich dankbar für leckeres Futter. Dementsprechend wurde nach einiger Zeit aus dem völlig verwahrlosten und mit Wun- den übersäten “Köter” ein bildhübscher Bouvieropi. =O)
Apropos Futter. Als Yeti sein erstes, großes Stück Pansen bekam, vergaß ich das er kaum noch Zähne hatte. Mein Tierarzt entfernte bei einer Zahnsanierung fast alle Beißerchen, da er einige Entzündungen und schlechte
Zähne hatte. Opi löste das Problem ziemlich elegant auf seine Art! Er stellte sich ganz einfach mit den Vorderbeinen auf das Fleisch und riss es in Stücke.
Ich erinnere mich als er die erste Pfote in unser Haus setzte.
Mrs. Beesley tauchte plötzlich auf. Oh mein Gott, die Miezekatze hatte ich vor lauter Aufregung völlig vergessen... In dem Moment der Begegnung ist mein Herz ganz laut in die Hose geplumpst! Mir wurde ganz bange, aber
Yeti schenkte ihr keine großartige Beachtung und ging einfach weiter um das Haus zu inspizieren. ...obwohl man im Tierheim erzählte, dass Yeti in seinem ersten Zuhause mit ansehen musste, wie der Bullterrier auf einen
Sack, in der sich eine leben- dige Katze befand, gehetzt wurde. Yeti ging jedenfalls weiter ins Wohnzimmer, schaute sich um, krabbelte selbstverständlich auf den Sessel, zuppelte sein Hinterteil zurecht, und man konnte ihm
sichtlich die Worte: “Hier gefällt es mir, hier möchte ich bleiben”, in sein Mäulchen legen.
Durch seine unzähligen Knochenbrüche hatte Opi arg mit Arthrose zu kämpfen. Aus diesem Grunde war er nicht unbedingt ein großer
Spaziergänger. Ich erinnere mich an eine witzige Geschichte. Bernd ging mit unseren Hunden Gassi. Er kam plötzlich ziemlich aufge- löst zurück, mit den Worten: “Opi ist weg”. Der Knilch hatte keine Böcke mehr zu laufen
und lies sich irgendwo im hohen Gras nieder. Keinen Meter wollte er sich mehr fortbewegen. Bernd hatte ihn gerufen, aber Yeti dachte gar nicht daran wieder aufzutauchen. Wir fanden ihn nach einer Wiesensuchaktion wieder, aber
fortan passte Bernd auf, wenn Opi den Blinker heimlich still und leise nach links zum abbiegen setzen wollte... ;O)
Viele Bekannte und Freunde sagten oft, Opa hätte den bösen Blick. Nein, das war definitiv nicht so.
Durch seinen schiefen, etwas ent- stellten Kiefer, hatte er eben einen anderen Gesichtsausdruck. Er war niemals böse... Wozu auch? Durch sein hohes Alter bedingt, hatte er eine solch geniale Ausstrahlung, die ihm alle Türen
öffnete. Böse gab es nicht in seinem Wortschatz.
Mit Barney vertrug er sich gut. Ich denke wegen des hohen Altersunterschiedes klappte das relativ gut. 2, 3 Mal hatten die Hunde- männer eine Meinungsverschiedenheit, die
wir Zweibeiner ziemlich zügig aus der Welt schafften. Denn wäre es zu einer ernsthaften Auseinandersetzung zwischen ihnen gekommen, hätte Opi nicht die kleinste Chance gehabt.
An einen Anblick erinnere ich mich gerne. An
Weihnachten stand eine Blechdose mit superleckeren Keksen mitten auf dem Tisch. Opi thronte direkt daneben auf seinem Sessel. Als der Duft in seine Nase zog, machte er einen langen Giraffenhals und legte seinen Kopf
bettelnderweise auf den Tisch. Was ein Bild...
Etwas negatives gab es doch. Beim Autofahren quietschte Yeti in den hellsten Tönen. Er fiepste und hüpfte ständig hin und her, egal ob das Auto stand oder sich in Bewegung
setzte. Am Anfang nervte das ziemlich, aber irgendwann hatte man sich an die vierbeinige Zweithupe, die in völlig falschen Tönen vor sich hin trällerte, gewöhnt.
Nach einiger Zeit konnte Yeti keine langen Strecken mehr
mit Gassi gehen. Also drehte ich erst eine Runde mit Barney und Lotti, und anschließen gingen wir nochmals zu viert auf die Piste. Yeti machte es überhaupt nichts aus alleine im Haus oder im Auto zurückzu- bleiben. Die kurzen
Gänge reichten im völlig aus.
Als Lotti starb, verhielten sich Barney und Opi wie ein altes Ehepaar. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass zwischen den beiden solche eine Harmonie stattfinden würde. Sie trabten
gemütlich nebeneinander her während den Spaziergängen. Zuhause suchten sie den Kontakt und lagen oftmals eng beieinander.
Ein halbes Jahr nachdem Lotti gegangen war, starb Opi. Er bekam einen bösartigen Tumor. Am 23. Februar 1998 folgte er ihr.
|