Fanny du moulin deáu
“Kimba”
“Muckeli”
“Lotti”
“Trümmerlotte”
“Lotti Matzucki”

geboren 12.Mai 1990 - gestorben 29.August 1997

Bernd und ich waren der Meinung, dass Barney nicht länger alleine bei uns leben sollte. Da er sich oft seine Pfoten blutig knabberte, und es dafür keinen medizinischen Grund gab, tippten wir darauf, dass er sich langweilte. Ich setzte mich ans Telefon und fand eine Deutsche Züchterin in Frankreich, deren Freundin gerade einen Wurf Briardwelpen erwartete.

Als die knuffigen Welpen das Licht der Welt erblickten, konnte ich es kaum abwarten und zählte jeden Tag, bis endlich die 8 Wochen vergangen waren. Wir besorgten für Barney einen Hundesitter und begaben uns auf große Fahrt Richtung Fellnase.

Nach einer kleinen Irrfahrt, letztendlich doch das Ziel erreicht, bekamen wir unser Hundemädchen in die Arme gedrückt. Wir erhielten von der Züchterin  die leider kein Deutsch konnte, aber wir ja Gott sei Dank deren deutschsprachige Freundin dabei hatten, noch einige Anweisungen. Man drückte uns Papiere und Impfausweis in die Hand, und somit wuchs unsere Familie um ein Mitglied an.

Auf dem Nachhauseweg legten wir eine Pause ein, und blitzschnell wollte sich der kleine schwarze Feger, mit Namen Fanny, aus dem Staub machen. Sie verselbstständigte sich, und flitzte auf eigene Faust los um die große, weite Welt zu erobern. Nachdem Bernd das flinke, schwarze Knäul eingefangen hatte, setzten wir unsere Heimfahrt fort. Als ich das Auto steuerte, hörte ich Bernd ab und zu leise jammern, denn das Hundemädchen fand es super lustig ihrem neuen Herrchen mit ihren spitzen Zähnchen die Füße zu malträtieren.    ... oder wollte sie ihm lediglich mitteilen, dass sie seinen Fußduft nicht leiden mochte...

Am frühen Abend erreichten wir unser Zuhause. Wir hatten uns allerdings im Vorfeld keinerlei Gedanken gemacht, wie sich das erste Zusammentreffen von Barney und Welpenmädchen gestalten würde. Leider zeigte Barney überhaupt keine Interesse, und wußte nichts mit diesem quirligen Etwas anzufangen. Kimba jedoch suchte permanent den Kontakt zu ihrem “ großen Bruder ”. Für sie brach eine Welt zusammen, da dieser sie in ablehnender Art und Weise anknötterte, um anschließend das Weite zu suchen.

Kimba entwickelte sich genau so, wie es ein gesunder, quietschfideler Welpe tun sollte. Doch hatte ich schwer zu kämpfen, um ihr ver- ständlich zu machen, dass diverse Geschäfte im Freien zu erledigen waren. Es dauerte fast 3 lange Monate, bis ich die richtigen Worte für “ Pipi bitte nur draußen ” gefunden hatte.

3 Wochen vergingen, aber Barney tat sich immer noch unheimlich schwer, den kleinen “Kimbazwerg” zu akzeptieren. Immer wieder das gleiche Spiel: er knurrte und verdünnisierte sich ziemlich flott, wenn Kimba seine Nähe suchte. Er attackierte sie nicht bösartig, aber er suchte das Weite, und war nicht bereit Kontakt aufzunehmen. Ich schmiedete einen Plan, der “Yupheidiheida” letztendlich aufging. Ich organisierte ein olles T-Shirt und spielte mit Barney ein Zerrspiel, was er heiß und innig liebte. In einem passenden Moment hängte ich blitzschnell Kimba an das andere Ende. Ich ließ einfach los, und verdrückte mich Stück für Stück. In diesem Moment hatte Barney wohl erst begriffen, dass man mit so einem kleinen Zwerg seine Freizeit sinnvoll gestalten konnte. Natürlich waren die Kräfte noch un- gleichmäßig verteilt, sodass der große, starke, braune Hund, den viel kleineren, schwarzen Zwerg Bäuchlings über die Wiese hinter sich her zoppelte. Keine Panik, es gab keine Verletzten, keine Blessuren. Meine beiden Goldstücke zerlegten das Shirt in 1000 Fetzen, und hatten sichtlich einen heiden Spaß dabei. Ab diesem Zeitpunkt war das Eis gebrochen, und die zwei bildeten ein unzertrennliches Team.

Kimba wurde zum absoluten Liebling der gesamten Familie und unserem Freundes- und Bekanntenkreis. Sie lief fröhlich durch die Ge- gend und freute sich über jede Hundebegegnung. Leicht konnten andere Vierbeiner Kimba zu einer kleinen Flitz- und Spielrunde auf- fordern, wobei sie niemals böse oder aggressiv wurde, sondern immer fröhlich gesonnen war. Mit unseren Miezekatzen gab es keinerlei Probleme, nur die fremden Streuner und Eindringlinge wurden sehr konsequent aus unserem Garten entfernt ;O) . Die heimische Mie- zekatzentuchfühlung gestaltete sich der Art intim, dass sie mit Heinerle des Öfteren ihr Körbchen oder das Sofa für ein erholsames Nickerchen teilte.

Kimba erarbeitete sich selbstständig einen neuen Kosenamen!  “Trümmerlotte”  Daraus leitete ich die sympathische Kurzform “Lotti” ab. Fortan sprachen alle nur noch von Lotti... Nachfolgend die Erklärungen für diese Namensgebung.

Ich ließ die Hunde alleine Zuhause, und dummerweise lag eine komplette Packung leckerer Kinderschokolade auf dem Wohnzimmer- tisch. Ich hätte es wirklich besser wissen müssen....  Als ich wieder nach Hause zurück kam, befand sich das gesamte Verpackungsma- terial, fein säuberlich zerknüllt, in Barneys Körbchen. Eine Art cleveres Ablenkungsmanöver, denn mein Barney hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie eine diebische Ader entwickelt. Auffällig ruhig, weil bis Oberkante Unterlippe voll gefressen, lag Lotti mit dickem Bäuchlein, einem leichten stöhnen und einem frechen Blick in ihrem Körbchen.

An Ostern zierte eine nette Dekoration, bestehend aus vielen gefärbten Eiern, unseren Eßzimmertisch. Nachdem ich einen Termin au- ßer Haus hatte und wieder zurück kam... befanden die Eier sich nicht mehr in dem dazugehörigen Korb auf dem Tisch, sondern sie amüsierten sich mit samt ihrer Schale im Lottimagen! Den absoluten Knaller jedoch entdeckte ich im Spätsommer als ich unseren Gartenteich reinigte. Zwischen den Kieselsteinen lugten noch 2 Ostereier hervor, die sich Lotti wohl als eiserne Reserve, vorsorglich für schlechte Zeiten, aufbewahrt hatte...  =O)

Ich stellte ein gutes Kilo Rinderleber zum Auftauen auf die Ofenbank. Das Fleisch “sollte” das Abendessen für unsere 3 Hunde werden. Ich hatte mir ganz fest vorgenommen Lotti mein vollstes Vertrauen entgegenzubringen, und hoffte das sie mich nicht enttäuschen wür- de. Immer wieder blickte ich in Richtung Tupper gefüllt mit Leber, und prüfte deren Vollständigkeit. Dennoch benötigte Lotti nicht mal eine tausendstel Sekunde Unaufmerksamkeit meinerseits, um die leckere, rohe Leber in ihr verschwinden zu lassen. Rohe Leber! Ein komplettes Kilo! “DIES” sollte heftigste Reaktionen zu Folge haben, dachte ich zumindest. Nicht bei Lotti! Sie genoss ihren dicken, ge- füllten, aufgeblähten Bauch und  verschwendete keinen einzigen Gedanken daran, dass sie das kostbare Futter mittels Durchfall wieder hergeben würde. Auf diesem Gebiet war sie eine Verdauungskünstlerin!

Diverse Nahrungsmittel, die sie sich hin und wieder mit großem Erfolg organisierte, richteten überhaupt keinen Schaden an. Von wegen Vergiftungserscheinungen...  Niemals Schokolade oder gar rohe Kartoffeln verfüttern!!! Lottis Verdauungsorgane schrieben ihre eige- nen Gesetze!

Selbst vor Fischfutter machte sie nicht halt. Sie stibitzte sich eine komplett verschlossene Tüte, drapierte sie zwischen ihre Vorderpfo- ten, öffnete sie Fachmännisch, um dann den nahrhaften Inhalt Restlos zu inhalieren.

Unzählige Hundeknabbereien bewahrte ich in einer großen Oskartonne auf. Ich glaubte die Sachen in Sicherheit ;O) ...  Als ich von einem Arzttermin nach Hause kam, vermisste ich dass sonst so üblich an der Haustür wartende, ungeduldige Begrüßungskomitee. Dies Verhalten kam mir ziemlich merkwürdig vor, und ich entdeckte relativ schnell den Auslöser für diese Zurückhaltung. Diverse Kratzspu- ren unzähliger Hundekrallen verrieten mir, dass ein Hund die Verschlüsse der Tonne öffnete. Ich war mir zu 100% sicher, das Lotti dieser “Öffner” gewesen war. Der Inhalt der Oskartonne hatte sich um einiges an Volumen dezimiert. Es fehlten ca. 50 Schweineohren. Bei dieser “Tat” war ich mir jedoch sicher, dass Lotti mindestens zwei Komplizen ( Barney und Opi ) hatte, die beim Vertilgen dieser köstlichen Leckereien kräftig mit angepackt hatten.

Lotti war zuständig für allerlei Diebstähle und diverser Anstiftungen zu weiteren “Futtiverbrechen”. Ich schaffte es aber niemals ihr wirklich ernsthaft böse zu sein. Regelmäßiges stibitzen gehörte zu Lottis Tagesablauf dazu. Ohne ihre diebische Ader, ihr permanentes Hungergefühl, gäbe es all die netten Geschichten nicht zu erzählen.

Ui, diese Story hätte ich doch beinah unterschlagen. Damals war es modern die Zimmerpflanzen in ein Granulat zu setzten. Man be- nötigte Wasserstandanzeigen, um zu erkennen, wann gegossen werden musste. Lotti entwickelte eine Vorliebe für diese Anzeiger. Ich ging Woche für Woche los, und organisierte etliche dieser Wasseranzeiger. So bekam Lotti genügend Nachschub geliefert, um ihren “Wasserstandanzeigerzerstörungswahn” ausleben zu können. Irgendwann hatte Lotti gesiegt und ich genügend Geld für neue Anzeiger ausgegeben. Ich pflanzte all meine Blumen wieder in normale Blumenerde ein!

Als ich mit Barney und Lotti zu Besuch bei meinem Vati war, benahm sich unser Hundemädchen gar nicht nett.... Wir alberten und spielten im Garten herum, anschließend gingen wir ins Haus und setzten uns auf die Couch. Unsere Hunde durften Zuhause auf dem Sofa liegen, deshalb suchte Lotti verzweifelt eine Lücke, damit sie mitkuscheln konnte. Jedoch ohne Erfolg. So krabbelte Lotti kurzer- hand und völlig selbstverständlich auf einen Beistelltisch und machte es sich dort bequem. Meine Stiefmutter, mein Vati und ich beob- achteten Lottis Vorhaben und saßen dermaßen verwirrt??? ... mit geöffneten Mündern da, und konnten nicht fassen was in diesem Au- genblick geschehen war.. Mein Vati reagierte Gott sei Dank so pfiffig, und hielt diese nette Showeinlage von Lotti auf Polaroid fest. Lottis nette “Beistelltischkletternummer”  kommt auch heute immer wieder ins Gespräch.

Einmal wurde unser Engelchen Muckeli zur bösen Bestie... Während eines Hundespazierganges wurde Barney von zwei schwarzen Schäferhunden angegriffen. Ich sah mich nicht im Stande, in irgend einer Art und Weise einzugreifen. Plötzlich, wie aus dem Nichts, fegte die schwarze Feuerwehr wie ein Wirbelwind an mir vorbei, in Richtung den sich prügelnden Rüden. Lotti fetzte mit vollem Kör- pereinsatz dazwischen und gab den beiden schwarzen Rüden mächtig zu verstehen, dass diese doch gefälligst “ihren” Barney in Frieden lassen sollten. Kommentarlos akzeptierten die beiden Raufbolde Lottis Einsatz, und machten sich auf der Stelle ziemlich schnell ziem- lich dünn! Dies war das erste und das letzte Mal, dass Lotti so vehement ihre Meinung vertrat, um ihren geliebten Dickie bis aufs Blut zu verteidigen.

Eine besondere Fähigkeit gab Lotti zu ihrem Besten. Es war eine Art “ Wohlfühlgrunzen ”, zu vergleichen mit dem Schnurren einer Katze. Lotti suchte förmlich den Körperkontakt wenn sie sich zu uns kuschelte. Sie war derart anschmiegsam, dass sie maßlos über- trieb und sich kreuz und quer über uns legte. Dies führte des Öfteren zu diversen Verknotungen, was zur Belustigung des Betrachters beitrug. Mit Hilfe einer Kuscheldecke wurde Lotti auf Mittagsnickerchen konditioniert. Wollte Bernd sich Mittags eine Auszeit gönnen, klemmte er sich eine Decke unter den Arm und bewegte sich in Richtung Bett. Dies war sozusagen das Signal für Lottis Einsatz, sich umgehend zur Schlafgelegenheit zu begeben, um sich den allerbesten Platz für die sich ankündigende Ruhepause zu sichern.

Barney war eher ein sportlicher Hund, er liebte Action, lange Spaziergänge, fetziges spielen etc. Lotti dagegen lies es lieber etwas ge- mütlicher angehen. Warum sollte sie sich schneller bewegen, wenn sie auch in Ruhe ihr Ziel erreichen würde. Hürden springen, über Bretter balancieren, durch Reifen hüpfen, all das bewältigte Lotti, jedoch in einer für sie akzeptablen Geschwindigkeit. Ihr ruhiges, ge- lassenes Wesen begleitete sie bei allen Unternehmungen durch ihr Leben. Mit einer einzigen Ausnahme! Mit einer blitzartigen Lichtge- schwindigkeit fetzte Lotti in die Küche, wenn das klappern der Futterschüssel zu erahnen war. Mit außerirdischer Schnelligkeit war sie imstande dieselbige, ohne auch nur einem klitzekleinen Krümelchen die Chance des Überlebens zu gönnen, blitzeblank zu leeren. 

Es gab noch eine Ausnahme bei der Lotti ihre Gemütlichkeit vergaß. Sie hatte die außergewöhnliche Begabung mit einer blitzartigen Geschwindigkeit und einem exakt erlernten Mäuselsprung, ca. 6 Mäuse pro Spaziergang zu fangen, und leider auch zu töten. Man könnte behaupten das dies ein natürlicher Vorgang wäre. Allerdings löste die Vorstellung, dass Lotti sich von dieser erlegten Beute er- nähren würde, bei mir Gänsehaut aus. So musste ich alles geben um flinker als Lottis Schluckmechanismus zu reagieren, damit die Mäuse nicht im Lottimagen landeten. 

Mit vollem Genuss wälzte Kimba sich ausgiebig in undefinierbarem Unrat. Ich erklärte ihr 100 mal, dass Schafs- Kuh- oder andere Hinterlassenschaften nicht unbedingt zur Körperpflege eines Hundemädchens nötig wären. Hundedamen sollten doch immer darauf bedacht sein, penibel auf ihr Äußeres zu achten. Mit zunehmendem Alter wurden diese “Einparfümierungszeremonien” immer seltener. Ich hatte jedoch stark die Vermutung, dass Lotti diese Aktionen zum Vorwand nahm, um eine umfangreiche, wohltuende Dusche im heimischen Beautysalon genießen zu dürfen.

Im Frühjahr 1997 begann Lotti arg zu husten. Ich dachte es sei ein “normaler Husten”, da sie früher schon mal eine Erkältung hatte.  Als sich dieser Husten jedoch sehr hartnäckig festsetzte und sich nicht besserte, suchte ich mit ihr einen Tierarzt auf. Dieser checkte Lotti komplett durch, und stellte dabei einen schlimmen Herzdefekt fest. Lotti bekam fortan unzählige Medikamente zur Stärkung ihres angegriffenen Herzens. In ihrem Körper lagerte sich überall Wasser ein, sodass sich ihr Zustand verschlechterte. Unzählige Wochen bangten und hofften wir, aber unsere Muckeli verlor immer mehr an Gewicht und wollte zum Schluss nicht einmal mehr ihr Futter an- rühren. Zu diesem Zeitpunkt vertraute ich meinem damaligen Tierarzt und dessen Worte, dass alles wieder besser werden würde! ... Irgendwann kam der Tag, an dem ich das Gefühl hatte, dass Lotti nicht mehr leben wollte. Barney hatte dies im Prinzip schon deutlich früher bemerkt. Er lies Lotti, die ihn Schwänzchen wedelnd begrüßte, völlig links liegen. Er spürte dass sie nicht mehr lange leben wür- de und ignorierte sie. Ich konnte sein Verhalten damals nicht sofort deuten, und fand es einfach nur “unmenschlich”, dass er seine Lotti “so” behandelte. In einem sozialen Hunderudel jedoch war dieses Verhalten völlig normal, nur ich war zu blöd dies zu verstehen. Lottis Kräfte schwanden zusehends. Am 29. August, mit gerade einmal 7 Jahren, mussten wir unsere Muckeli gehen lassen.